73. Das Auge der Schlange
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73. Das Auge der Schlange

Das Auge der Schlange

( Die Ebene der sechs Türme)

von Uwe Vitz

" Welch ein törichter Befehl. " sagte Ibran missmutig.

Sein Begleiter blickte ihn ärgerlich an.

" Kein Befehl des Großwesirs ist töricht. "

" Welchen Sinn soll darin liegen, hier in der Wüste einen Edelstein hinzulegen und zu warten, ob nicht ein geheimnisvoller Einäugiger erscheint,

der den kostbarsten Diamanten an sich nimmt, den man in Sahuria je gefunden hat? "

Alim nickte.

" Wahrlich, mein Freund, auf den ersten Blick hast du recht, aber wir sind Soldaten des Kalifen, unsere ersten Pflichten sind Gehorsam und Treue. "

"Ach was. "brummte Ibran.

" Bei so einem kostbaren Edelstein kommt bestimmt irgendein einäugiger Gauner und stiehlt ihn.

Am liebsten würde ich es selbst tun. "

" Bringe dich nicht um Kopf und Kragen. " mahnte Alim besorgt.

" Mit so einem Diamanten könnte man überall auf der Ebene leben. Ich könnte als reicher Mann nach Zaranda gehen. "

" Ich sehe die Habgier hat deinen Verstand benebelt. Um dich vor dir selbst zu schützen, werde ich dir die unheimliche Geschichte dieses Diamanten erzählen,

denn man das ` Auge der Schlange´ nennt. " , sprach Alim.

" Das Auge der Schlange? Dieser Stein hat eine Geschichte?"

" Höre seine Geschichte und lasse sie dir eine Warnung sein.Habgier führt oft ins Verderben."

*

" Wie du dich vielleicht erinnerst, oh Ibran,griffen vor einem Jahr die Schwertländer das Sultanat von Baranya an.

Sie kamen mit einer riesigen Galeere über die Ostsee.

Das Schiff hatte als Galionsfigur einen Totenschädel mit zwei gekreuzten Händen, dies ist das Symbol der Bruderschaft der Blutigen Hände.

Du hast wohl noch keinen Angriff der Schwertländer mitgekommen, Ibran?

Glaube mir, bei Ra, das ist so furchtbar, dass man es niemals vergessen kann.

Ihre Raubgaleeren sind vier Stockwerke hoch und eher schwimmende Festungen als Schiffe, dazu aber schnell wie Seeschlangen.

Hunderte von kleinen Kampfbooten fahren neben den großen Galeeren her, um rasch feindliche Schiffe zu entern oder an der Küste zu landen.

Über den Galeeren schweben immer mehrere Piratenmagier auf fliegenden Teppichen.

Diese Kerle schwenken ständig bunte Fahnen um den Seeräubern Beuteschiffe oder eine befestigte Stadt anzuzeigen.

Es war eine besonders große Galeere, die die Küste des Sultanats von Baranya heimsuchte.

Zwei kleinere Städte wurden niedergebrannt und die Bevölkerung entweder versklavt oder erschlagen.

Vergewaltigungen, Morde, Brandschatzungen, dass bringen die Schwertländer immer über die anderen Völker der Ebene.

Möge Ra sie zerschmettern!

Der Sultan befahl seiner Küstenwache, die Raubgaleere zu vertreiben. Zwei grausame Seeschlachten wurden geschlagen, die Barayaner zahlten einen hohen Preis, doch schließlich verließ die Raubgaleere die Küste des Sultanats und segelte weiter nach Osten zum Reich Rah.

**

Hast du schon einmal etwas von der Stadt Zsis gehört, Ibran? "

" Die Stadt der Schlangen, wer kennt sie nicht? "

" Vielleicht die Schwertländer. Oder war ihr Übernut so groß geworden, dass sie nichts mehr fürchteten? Ob Ra sie mit Dummheit geblendet hatte,

um sie wegen ihrer Verbrechen zu vernichten? Wer weiß?Jedenfalls wagten die Schwertländer etwas, dass weder unser Kalif noch ein Sultan der Baranyaner gewagt hätte, sie griffen Zsis an.

Ein plündernder Mob stürmte durch die Straßen der uralten Stadt

.Viele geheimnisvollen Schlangenmenschen wurden erschlagen, die Türen des Tempels des Schlangengottes wurden aufgebrochen; und die Piraten stürmten durch die unheiligen Hallen, die voll finsterer Magie sein sollen.

Wahrlich, es war weise von unserem Kalifen Salemon, den Kult des Schlangengottes zu verbieten;

doch nie war der Kalif töricht genug gewesen, die Stadt der Schlangen anzugreifen.

Es gibt Dinge, die stehen den Menschen nicht zu.Die Schwertländer stießen kaum auf Widerstand in der Stadt, triumphierend trugen sie ihre Beute zu den kleinen Booten an der Küste und ruderten zu ihren Galeeren.

Nun wurde der Laderaum der Galeere noch mehr mit Raubgut angefüllt; was müssen die Schwertländer über die Warnungen und Prophezeiungen

gelacht haben,

als sie davon segelten!

***

Erinnerst du dich noch, Ibran, wie wir uns im Kalifenreich Zarany auf

den Überfall der Schwertländer vorbereiteten?

Die Mauern der Städte wurden verstärkt; aus allen Landesteilen wurden Soldaten zusammen gezogen.

Die aus allen Teilen der Ebene angeheuerten Söldner warteten auf ihren Einsatz, aber nichts geschah.

Es dauerte wahrlich einen ganzen Monat, ehe das Schiff der Schwertländer vor unserer Küste auftauchte.

Aber welch ein Wunder, es schien steuerlos Richtung Osten zu treiben.

Von den kleinen Kampfbooten, welche sonst immer um die Galeere herumfuhren, war nichts zu sehen, und es schwebte auch kein Piratenmagier auf irgendeinen fliegenden Teppich über dem Schiff.

Wir dachten zuerst, es sei eine List der teuflischen Piraten.

Aber dann trieb das Schiff bis zum Meer des Abgrundes

Tollkühne Beamte des Kalifen stoppten es an den Sechs Türmen des Zaladin.

Die Beamten kletterten an Bord der Galeere und entdeckten, dass kein lebender Schwertländer mehr an Bord war.

Dafür fanden sie jedoch einige hundert Leichen.

Alle Toten hatten merkwürdige Wunden; es sah so aus; als sei eine große Zahl von Schlangen über die Seeräuber hergefallen,

aber kein einziges Tier war zu finden.

Der Steuermann der Galeere hatte bis zu seinem Tod treu das Ruder gehalten.

Seltsamerweise sah es so aus, als hätte er vorgehabt, das Schiff Richtung Osten zum Meer des Abgrundes zu steuern.

Man musste dem Toten die Hände abschlagen, um das Schiff in eine andere Richtung steuern zu können.

Das Schiff wurde zu einer näheren Untersuchung in den Hafen von Zaran, der Stadt der Träume geschleppt.

Mancher Beamte behauptete, einen merkwürdigen Einäugigen an Bord gesehen zu haben,

der ihnen spöttisch zuwinkte und immer verschwand, wenn man ihn ergreifen wollte, aber damals glaubte ihnen noch niemand.

****

Als man den Laderaum der Galeere durchsuchte, entdeckte man viele Schätze, doch war nichts davon mit diesem Diamanten vergleichbar, der dort hinten auf der Sanddüne liegt.

Der Polizeichef Salim nahm den Edelstein an sich, um ihn persönlich an den Kalifen weiter zu leiten.

Doch stattdessen behielt er den Diamanten und setzte sich damit in sein Büro.

Einen Tag und eine Nacht lang starrte er dort auf den unheimlichen Stein, als könne er in seinem Inneren etwas sehen, das allen anderen verborgen blieb.

Am anderen Morgen fand man Salim mit durchgeschnittener Kehle, und von dem Diamanten fehlte jede Spur.

****

Ein kleiner Polizeibeamter mit hohen Schulden hatte den Mord aus Verzweifelung begangen und den Diemanten zu seinen größten Gläubiger gebracht. Dies war der Sechsberger Zinshoch Glücksspielersohn.

Der teuflische Zwerg wurde selbst von den anderen Sechsbergern in Zaran gemieden, denn er betrieb Glücksspiel mit Betrug;

er schreckte nicht davor zurück, mit gefährlichen Drogen zu handeln, und vermittelte auch die Dienste von Meuchelmördern.

Sogar der nicht sehr zimperliche Geschäftsführer der Sechsberger von Zaran ermahnte Zinshoch häufig, bei seinen Geschäfte nicht zu weit zu gehen.

Aber der zwergenhafte Schurke kam nicht zur Einsicht.

Er nahm den Diamanten und versprach seinen Schuldner dafür, die Schuldscheine zu verbrennen, obwohl er genau wusste, dass dieser Diamant mindesten das Tausendfache der Schulden wert war.Kaum war der unglückliche Mörder fort, begann Zinshoch wie ein Derwisch um den kostbaren Edelstein herum zu tanzen.

Inzwischen wurde der Mörder, welcher plötzlich schuldenfrei war, entlarvt.

Um der Folter zu entgehen, gestand er alles. Sogleich machten sich einige Polizisten auf, um den Edelstein zu beschlagnahmen und Zinshoch als Hehler und Mordkomplizen in den Kerker zu bringen.

Aber welch seltsamer Anblick bot sich ihnen,als sie das Haus des Zwerges betraten?

Mit vor Angst weit aufgerissenen Augen tanzte der Sechsberger noch immer um den Edelstein herum.

Als die Beamten eintraten, stürzte er zu Boden und blieb zuckend liegen.

` Der Einäugige bat mich zu tanzen. Weshalb tanzt ihr denn nicht für das Auge der Schlange? ´, fragte Zinshoch keuchend, dann starb er.

*****

Von diesem Tag an, trug der Edelstein den Namen ` Auge der Schlange´.

Der Kalif wollte einen derart verfluchten Diamanten um keinen Preis der Welt in seiner Schatzkammer haben.

So befahl er, ihn billig zu verkaufen, damit er rasch außer Landes käme. Ein vornehmer Emir kaufte den Diamanten, am nördlichen Ufer des Meeres des Kalifen lebte dieser.

Ach, es war der Emir Yussur, dem die fruchtbarsten Ländereien gehörten, der die schönsten Frauen, sowie äußerst wohlgeratenen Söhne hatte.

Und er war mit einem klugen Geist gesegnet, so dass man von ihm sagte, Ra habe ihn mit allem reich beschenkt.

Oh Yussur, wärest du nur mit deinem Glück zufrieden gewesen.

Hätte es dein Herz doch nie nach diesem verfluchten Diamanten gelüstet.

Die Hauptstadt seines Reiches war die schöne Stadt Asahir.

Kaum war Yussur dorthin zurückgekehrt,da erfuhr er, dass ein Lieblingssohn Yizard bei einer Reise über das Meer des Kalifen von Piraten überfallen und getötet worden sei.

Der Piratenfürst sandte Yussur einen Brief.

Am Ostufer des Meeres des Kalifen, nahe der Oase Odu in der Wüste der Djinns, stehe seine Festung, und Yussur solle doch versuchen, seinen Sohn zu rächen, wenn er den Mut dazu hätte.

Der vor Wut rasende Emir steckte sein ganzes Vermögen in den Bau einer gewaltigen Flotte, aber bald waren seine Mittel erschöpft.

Da bot ihm überraschend sein Nachbar, der Emir Murin seine Hilfe an.

` Oh edler Yussur, mit größten Entsetzen und echter Trauer, erfuhr ich von Schicksal deines Sohnes Yizard.

Es ist eine große Schande, dass Piraten das Meer des Kalifen unsicher machen können.

Wir , die Emire, deren Völker an der Küste dieses Meeres leben, sollten es von Seeräubern befreien, damit der Kalif mit Wohlgefallen an uns denken kann.

Wie groß kann unsere Schande noch werden, wenn wir tatenlos zusehen, wie solche dahergelaufenen Räuber edle Prinzen erschlagen?´

sagte Murin und reichte Yussur die Hand, obwohl lange Zeit Feindschaft zwischen ihnen gewesen war.

Dankbar nahm Yussur die angebotene Hilfe an und gelobte die alte Fehde zu vergessen.

Bald schon segelte die Flotte bemannt von Yussur und Murins Soldaten, in Richtung Osten.

Doch welch ein Schrecken ergriff Yussur als sie die Piratenflotte trafen.

Murins Soldaten wendeten sich sogleich gegen seine eignen Männer, die von dem Verrat so überrascht waren, dass sie sich fast widerstandslos niedermachen ließen. Mühelos enterten die Piraten sogar das Schiff des unglücklichen Emirs.

Daraufhin zog Yussur seinen Säbel und kämpfte mit seinen letzten Getreuen, bis nur noch er allein, seinen blutbefleckten Säbel in der Hand von Feinden umringt auf dem Deck stand.

Schließlich warfen die Piraten ein Netz über ihn und rissen ihn so zu Boden.

Triumphierend trugen sie sie ihren Gefangenen auf eines ihrer Schiffe.

Nun segelten sie zu jener Festung, die der Anführer der Piraten schon in seinem Brief erwähnt hatte.

Dieser Piratenfürst aber war niemand anders als der bösartige Emir Murin.

` Ach, bist du nicht mein reicher und glücklicher Nachbar, der stolze Yussur ? ´

fragte Murin seinen Gefangenen höhnisch.

` Hast du vielleicht gedacht, ich würde dir gegen die Piraten helfen du Narr? Weißt du, wie viel Spaß es mir gemacht hat, deinen Sohn zu foltern?

Möchtest du vielleicht seine Leiche sehen? Ich habe sie für dich aufbewahrt, du Bastard! ´` Ein schlechter Mensch erfreut sich stets nur an seiner eigenen Bosheit ´ , antwortete Yussur stolz.Das ergrimmte Murin gewaltig, und rasend vor Wut stieß er Yussr seinen Dolch ins Herz.

*****

` Ach beim Sheitan ´ fluchte Murin.

` Ich wollte ihn doch langsam sterben lassen, aber was soll's? Hauptsache, er ist nun tot. ´

` Oh Herr, seht nur, was wir gefunden haben´ , bat da einer seiner Krieger und übergab Murin den Diamanten, den Yussur in seinem Turban stets, bei sich getragen hatte.

` Ha, jetzt werde ich Yussurs Land erobern. Dieser Diamant soll die Krone schmücken, die ich als neuer Kalif tragen werde, denn wenn ich erst über das Meer des Kalifen herrsche,

wird mir bald das ganze Kalifenreich gehören. ´

Ein einäugiger Schmied, über dessen Herkunft niemand etwas wusste, der jedoch über besonderes Geschick verfügen sollte, bot Murin seine Dienste an.

` Verwende nur das Kostbarste und Wertvollste. ´ sprach der Emir. ` Bin ich zufrieden, wirst du reich belohnt, wenn nicht, stirbst du unter der Folter. ´

` Du wirst zufrieden sein. ´, versprach der geheimnisvolle Schmied lächelnd, und seine Augen funkelten so sehr, dass es selbst den Emir unheimlich wurde.

Sechs Tage und sechs Nächte arbeitete der Schmied, dann war sein Werk getan.

Wahrlich, nie zuvor hatte es auf dieser Ebene eine prächtigere Krone gegeben. Der Anblick der Krone war so herrlich, dass selbst der Kalif vor Neid erblasst wäre, wie Murin in seiner Verblendung glaubte.

Er vergaß all seine Bosheit und wollte den Schmied reich belohnen, aber der Einäugige war verschwunden.

Nun, Murin machte sich keine großen Gedanken mehr um den Verschwundenen und setzte sich die herrliche Krone eigenhändig auf das Haupt.

` Ach es ist doch misslungen, und klug war der Goldschmied, meinem gerechten Zorn zu entfliehen ´ rief Murin.

` Die Krone ist für mein Haupt viel zu schwer. ´

Sogleich wollte er die Krone wieder ablegen,aber da half kein Zerren, und jegliche Mühe war vergebens die Krone saß fest auf seinem Kopf.

` Oh, bringt mir diesen teuflischen Schmied, dafür soll er büßen! Die schrecklichsten Folterqualen soll er erleiden. ´

Die Wächter durchsuchten den ganzen Palast, doch der Schmied war nicht mehr zu finden.

` Die Krone wird immer schwerer. ´ klagte der Emir verzweifelt.

` Nehmt sie mir doch endlich ab! ´

Alle seine Wachen und die Soldaten - auch die Piratensöldner - bemühten sich, dies zu tun,aber selbst der Stärkste unter ihnen schaffte es nicht.

Murins Leibmagier Dasin beschworen sogar einen Djinn,

doch dieser erklärte nur, dass in dieser Krone ja das ` Auge der Schlange´ steckte.

So lange der verhexte Diamant da war, konnte selbst ein Djinn nichts tun.

` So brecht diesen teuflischen Stein aus der Krone! ´ schrie der Emir in Todesangst.

Aber weder mit Dolchen noch mit Säbeln oder Zangen war dies möglich.

Der Emir sank unter dem inzwischen furchtbaren Gewicht der Krone zu Boden.

` Rettet mich! ´ flehte er noch.

Aber es war alles vergeblich. Sein Kopf war schon ganz rot.

Bald floss Blut aus Nase und Ohren des Unglücklichen . Murin verdrehte vor Schmerz die Augen.

All seine Getreuen wichen entsetzt zufrück, sogar sein Magier und seine Wesire ergriffen die Flucht.

` Unser Emir ist verdammt! ´ schrie einer.

` Der Geist des Emir Yussur rächt sich nun an ihm! Fort, ehe auch wir vernichtet werden! ´ rief ein anderer, und so ging es weiter.

` Bleibt bei mir! Ich lasse jeden zu Tode peitschen, der mich jetzt verlässt, und werde all jene reich belohnen, die mir Treue erweisen: Bleibt bei mir! ´

Aber niemand hörte mehr auf Murin.

Alleine lag er vor seinen Thron, mit der schrecklichen Krone auf dem Kopf, und schrie vor Schmerz und Wahnsinn, so dass kein Mensch es ertragen konnte.

Seine Schreie wurden immer schriller, dann plötzlich verstummte er für immer.

******

Dasin, der Magier wagte sich als erste wieder in den Thronsaal.

Er kehrte mit dem Diamanten in der Hand zurück.Mit zitternder Stimm fragte er, ob einer da wäre, der den Teufelsstein haben wolle.

Da trat ein einziger Mann vor. Es war ein schwarzer Seeräuber aus Zaranda vor, der als Söldner für alle möglichen Herrscher auf dieser Ebene gekämpft hatte.

Sein Name war Jazata, und es hieß von ihm, dass er weder Tod noch Teufel fürchte.

` Nimm diesen Edelstein und kehre niemals zurück. ´ ,befahl der Magier.

Jazata nahm das ` Auge der Schlange´ entgegen, und ritt mit einem höhnischen Lachen über die Feigheit der anderen davon. Er wollte in das Reich Rah reisen und den Diamanten dort schnell verkaufen, denn er hoffte, dass die Menschen dort vom Fluch noch nichts gehört hätten.

Im Kalifenreich Zarany würde er für einen so bekannten als verflucht geltenden ` Teufelstein ´ wohl nicht mehr den ihm gebührenden Lohn bekommen.

Jazata ritt südwärts um das Meer des Kalifen herum.

Als er das südliche Ufer des Meeres erreichte, begegnete er einem einäugigen Scheich, der mit sechs wunderbaren Sklavinnen in das Reich Rah unterwegs war,

um die Mädchen dort zu verkaufen.

` Oh, was für ein prächtiger Mann! ´ riefen die Mädchen, als sie Jazata sahen.

` Oh Fremder, obwohl ich dich nicht kenne, bist du mir doch lieb wie mein eigener Sohn. ´ hub der Scheich an.

` Sieh, ich bin in großer Not und muss diese schönen Sklavinnen, die wie ich meine eigenen Töchter liebe, verkaufen; aber es wäre mir eine große Freude,

wenn du ihnen die schwere Reise etwas erleichtern würdest. ´

So etwas musste der Scheich einem Mann wie Jazata nicht zweimal sagen.

Nur zu gern erleichterte er den Mädchen und auch sich selbst die Reise.

Grosse Taten wurden von ihm vollbracht, denn er war ein kräftiger Mann in der Blüte seiner Jahre.

Jede Nacht schlief er mit einem anderen Mädchen.

Alle sechs hatten eine geheimnisvolle, zauberhafte Schönheit an sich,die jeden Mann verrückt machen musste.

Nach der sechsten Nacht jedoch versammelten sich die Mädchen um ihn herum, und der Scheich stand lächelnd zwischen ihnen.

Jazata begriff nicht, was mit ihm geschehen war; er fühlte sich wie gelähmt und konnte keinen Finger mehr rühren.

` Es tut uns leid.´ sagte das jüngste Mädchen.

` Aber in Wahrheit sind wir sechs Zauberinnen, die von einem mächtigen Djinn verflucht wurden. Wir können nur gemeinsam lieben, und jeden Mann den wir Gunst schenken,

muss nach der sechsten Nacht sterben. So leb den wohl, Jazata. ´

Die sechs Mädchen bestiegen ihre Pferde und ritten mit Tränen in den Augen davon.

Der einäugige Scheich blieb bei dem Sterbenden zurück.

Er schien noch auf etwas zu warten; er verscheuchte die Geier und Schakale, die schon bereitstanden.

Erst als er sicher war, dass Jazatas Seele den Körper verlassen hatte, wanderte er weiter; und niemand hätte seine Spur noch entdecken können.

*******

Es dauerte nicht sehr lange, und ein armer Nomade kam des Weges; dessen Stamm hatte der Emir Murin vor kurzen niedermetzeln lassen.

Der Name des Nomaden war Achym.

Er fand den Toten und - den Diamanten.

Ach, was war das für den armen Narren eine Freude.

Eben war er noch ein armer Flüchtling gewesen, jetzt war er ein reicher Mann, ein überaus reicher Mann sogar.

Er begrub den Toten, wie es der Prophet vorschreibt, und zog in die nächste Stadt, Anyzar.

Aber hier hatte man schon von dem ` Auge der Schlange ´ gehört.

Nicht nur, dass niemand den Edelstein kaufen wollte; Achym wurde sogar gezwungen, die Stadt zu verlassen, und er musste weiterziehen, bis er in das Reich Rah kam.

Doch auch hier musste er von Stadt zu Stadt ziehen; niemand mochte den verfluchten Edelstein auch nur anrühren. Ein einäugiger Händler riet ihm, doch sein Glück im Sultanat Baranya zu versuchen,

denn hieß es nicht, dass es in Baran, der Hauptstadt des Sultanats eine Straße nur mit Edelsteinhändlern gab?

So reiste Achym weiter nach Baran.

Er ging soeben durch die Straße der Edelsteinhändler und bot jeden Händler seinen Diamanten an.

Da begegnete ihm Jataza, der Bruder Jazatas, der genauso tollkühn wie der Verstorbene war.

Ein betrunkener einäugiger Söldner hatten ihm erzählt, wie sein Bruder den Diamanten erhalten hatte;und jetzt sah er durch einen Zufall genau jenen Edelstein in der Hand eines anderen.

Das ` Auge der Schlange´ war so ungewöhnlich, dass jede Verwechslung mit einem anderen Edelstein unmöglich war.

` Woher hast du diesen Edelstein? ´ ,fragte Jataza mit donnernder Stimme.

` Oh, ich habe ihn bei einem Toten gefunden ´ , antwortete Achym erschrocken, aber wahrheitsgemäß.

` Meinen armen Bruder meinst du? Den du selbst heimtückisch ermordet hast? ´

` Nein Herr, ich schwöre..´

Aber Jataza hatte schon seinen Säbel gezogen und schlug Achym mit einem einzigen Hieb den Kopf von den Schultern.

Da gab es ein großes Geschrei und die Stadtwache wurde gerufen.

Jataza wollte sich nicht kampflos gefangen nehmen lassen, und drei Soldaten der Stadtwache starben noch durch seinen Säbel ,ehe ein tödlicher Pfeil ihn traf.

********

Bei dem Enthaupteten fanden die Soldaten jetzt auch das ` Auge der Schlange ´.

Feran, der Polizeichef von Baran, hätte den Fund gewiss unterschlagen; aber die Sache war zu bekannt, weshalb er beschloss, den Edelstein dem Großwesir zu übergeben und so in dessen Gunst zu steigen.

Der Großwesir Yahim ist ein großer Freund der Tiere, weshalb er den Sultan dazu bewegt hatte, einen Zoo anzulegen.

Um die Pflege der Tiere kümmert sich der Großwesir oft selbst.

Dort wollte Feran ihm auch den Edelstein übergeben.

Ein Termin für die Audienz war rasch besorgt, und Feran sah im Zoo des Sultans erstaunt die wunderbaren und seltsamen Tiere aus allen Teilen der Ebene, die man hier bestaunen kann.

Der Großwesir persönlich stand vor einer riesigen Grube. Am Boden lagen große blutige Fleischstücke. Nachdenklich spähte der Großwesir zu einer dunklen Gestalt hinüber,

die unter einem Felsvorsprung in der Grube hockte.

` Ah Feran, mein lieber Freund. ´ sagte der Großwesir und winkte den Polizeichef heran.

` Seht Ihr das frische Fleisch dort auf dem Boden der Grube? ´

` Ja, oh Yahim-Pascha. ´ erwiderte der Polizeichef. ` Nun dort unten hockt einer der gefürchteten Spinnendämonen, aber er rührt das Fleisch nicht an. Wisst Ihr vielleicht weshalb nicht? ´

` Nein Herr. ´

` Hm, die Lösung dieses Problems macht mir richtige Kopfschmerzen ´ ,seufzte der Großwesir.

` Oh edler Herr, ich wollte Euch nur diesen Diamanten übergeben, als Zeichen meiner Treue zu meinen Sultan und zu Euch. ´ sagte der Polizeichef und übergab dem Großwesir den Diamanten.

Einen Augenblick lang betrachtete der Großwesir lächelnd den Edelstein in seiner Hand.

` Das doch das "Auge der Schlange" nicht wahr? ´

` Ja Herr. ´ erwiderte Feran schnell, um nicht seine Unwissenheit zu verraten.

` Kennt Ihr den Namen, so ist Euch auch der Fluch dieses Edelsteins bekannt. ´ sagte der Großwesir ruhig und stieß ,noch während er sprach, dem überraschten Polizeichef nach vorne.

Aufschreiend stürzte Feran in die Grube.Nachdenklich sah der Großwesir Yahin hinunter , nach einer Weile nickte er lächelnd.

` Ja, ja ich verstehe nun; die Spinnenmenschen fressen nur lebendes Fleisch,kein Aas, sehr interessant. ´

Nachdem er eine Weile dem Spinnenmenschen beim Fressen zugeschaut hatte, rief Yahim nach seinen besten Boten und gab ihm den Diamanten.

` Welch ein Glück, dass meine Freunde am Hof des Kalifen mir von diesem teuflischen Diamanten berichteten. Bringe diesen Stein als mein persönliches Geschenk zurück an den Hof des Kalifen von Zarany. Der dortige Großwesir Halim wird wissen, wie ich es meine. ´

Und so geschah es."

*********

" Möchtest du immer diesen Diamanten haben, Ibran? " fragte Alim.

" Eine Geschichte ist es, nicht mehr als eine Geschichte. "

"Wirklich Ibran? Dann sieh doch bitte einmal dorthin. "

Alim deutete auf eine nahe Düne, wo wie aus dem Nichts ein einäugiger Scheich aufgetaucht war.

Ibran stöhnte auf und wandte schaudernd den Blick von dem Fremden; Alim jedoch verneigte sich höflich, und der Scheich verneigte sich ebenso.

Wortlos ging Alim zu der Düne, hob vorsichtig den Diamanten auf und gab ihn dem Fremden.

Mit dem Edelstein in der Hand drehte sich der Fremde um, als er sich wieder Alim zuwandte, war der Diamant aus seiner Hand verschwunden.

Dafür hatte er jetzt zwei strahlend leuchtende Augen.

Alim war nicht überrascht.

Er trat einen Schritt zurück und verneigte sich noch einmal, ehe er zu seinem Kameraden und den Pferden zurückehrte.

Als er dort ankam und sich noch einmal umblickte, war von dem Fremden nichts mehr zu sehen.

" Ra stehe uns bei. " stöhnte Ibran.

" Was sollen wir jetzt nur tun? "

"Was getan werden musste, ist geschehen. " sagte Alim.

"Lass uns nach Zaran zurückehren und dem Großwesir Bericht erstatten."

Ende