76. Die Höhle des Glücks
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Die Höhle des Glücks



(Die fünfte Ebene: Die Ebene der Sechs Türme)

von Daniel von Euw

Es gibt eine Legende die im Südosten der Ebene der Sechs Türme fast jedem bekannt ist.

Ob Greis, ob Kind kaum einer kann sich ihrem Zauber entziehen.

Doch kommen wir nun zu der Legende - der Legende um die Höhle des Glücks.

Seit uralten Zeiten tauchte diese in den Mythen der Bevölkerung Sahuria's immer wieder auf.

Es hieß wer immer die Höhle, die tief in der Wüste der Djinns liegen soll, beträte würde Reichtum, Ansehen, Gesundheit und Glück finden.

Viele hatten schon versucht sie zu aufzuspüren - Händler, Abenteurer, Fürsten und Bettler.

Keiner von ihnen wurde jedoch jemals wieder gesehen.

*

Er war schon lange unterwegs.

Tage oder sogar Wochen - er wußte es nicht mehr.

Die Sonne brannte heiß in der einsamen Wüste und dabei war die zweite noch nicht einmal aufgegangen.

Er war verzweifelt und wünschte er hätte sich nie auf die Suche gemacht - auf die Suche nach einer Höhle die sicher nur eine Legende war.

Als er den letzten Schluck Wasser aus seinem Schlauch trank dachte er an seine Familie und seine Freunde die ihn sicher niemals wiedersehen würden - in dieser Gegend lebte kein Mensch, gab es kein Wasser und auch sein Essensvorrat ging zu Ende.

Längst hatte er den Punkt erreicht, an dem eine Umkehr sinnlos geworden war.

Vor ihm erstreckte sich die endlose Weite der Wüste.

Während er mit gesengtem Haupt seinen Weg fortsetzte, erinnerte er sich daran, wie alles begonnen hatte.

**

Er wohnte in dem kleinen Dorf Armentrutz in dem Kalifenreich Zarany, dem östlichsten Reich von Sahuria.

Dieses lag am Rand der großen Wüste der Djinns, einer der geheimnisvollen und tödlichsten Regionen auf der Ebene der Sechs Türme.

Es hieß wer die Wüste einmal betreten hätte käme nicht mehr lebend zurück - wenn ihm die Strapazen in der Wüste nicht zum Verhängnis würden,

würde er von den Djinns in den Tod geführt.

In seinem Dorf wurde er von allen nur Tollpatsch genannt - seinen richtigen Name wußte keiner.

Man fand ihn als Baby in einer Gewitternacht auf dem Dorfplatz.

Er wurde von einer Familie zur nächsten gegeben ohne ein Heim zu finden.

Niemand machte sich die Mühe ihm etwas bei zubringen da sein Verstand langsam und er mit zwei linken Händen zur Welt gekommen war.

Umso erstaunlicher ist es das er bei den Kindern des Dorfes sehr beliebt war.

Sie erkannten schnell den aufrichtigen und treuen Kameraden in ihm.

So vergingen die Jahre er wuchs heran, verliebte sich und heiratete.

Obwohl sie in ärmlichen Verhältnissen lebten da er für keine richtige Arbeit zu gebrauchen war, waren sie nichts desto trotz glücklich.

Seine Spielkameraden die mittlerweile alle verheiratet waren und es im Dorf zu etwas gebracht hatten vergaßen ihre Freundschaft zu ihm nicht, gaben ihm hin und wieder etwas zu tun und halfen dem Paar aus mancher Not.

Dann eines Tages war es soweit - seine Frau war schwanger. Er war glücklich wie nie und feierte mit seinen Freunden drei Tage lang.

Doch je mehr die Schwangerschaft fortschritt desto öfters schlichen sich trübe Gedanken in seinen einfachen Verstand.

Er dachte an all die Sachen die sein Sohn entbehren würde.

Ihm selbst machte es nicht soviel aus und auch seine Frau war zufrieden mit ihrem Leben.

Aber sein Sohn - ja Sohn, das er eine Tochter bekommen könnte kam ihm gar nicht in den Sinn, sollte es besser haben.

Dieser Gedanke setzte sich in seinem Hirn fest und hielt ihn lange Nächte wach während er über eine Lösung grübelte.

Da erinnerte er sich an seine Kindheit: An die Legende über die Höhle des Glücks einer Höhle tief in der großen Wüste.

Viele waren aufgebrochen sie zu finden, niemand kam jedoch zurück.

Reichtum, Ansehen, Gesundheit und Glück versprach sie demjenigen der sie reinen Herzens suchen würde.

Nur er würde sie finden - alle andern wären dem Tode geweiht.

Ihm selbst lag nicht soviel an Ansehen und Reichtum.

Gesund und glücklich war er schon - kein Wunder bei dieser Frau.

Aber da dachte er wieder an seinen Sohn, das er es besser haben sollte und seine Frau - ja auch sie hatte etwas Wohlstand verdient.

So entschloß er sich auf die Suche nach der Höhle zu machen.

Seine Frau und seine Freunde versuchten ihn davon abzuhalten.

Sie sagten:

"Du läufst in dein Unglück",

"Keiner hat es je geschafft",

"Wir schaffen es auch so".

Sein ältester Freund warnte:

"Die Höhle ist vermutlich nur eine Legende und falls es sie dennoch gibt wirst du sie nicht lebend erreichen.

Die Entbehrungen der Wüste und die Djinns sind deine Todfeinde."

***

Sie hatten recht gehabt dachte Tollpatsch.

Doch er hatte ja nicht auf ihre Warnungen hören wollen.

Nach einem tränenreichen Abschied war er aufgebrochen mit dem festen Vorsatz die Höhle zu finden.

Und was hatte er davon?

Je weiter er in den nächsten Tagen in die Wüste eindrang desto heißer wurde es.

Langsam wurde ihm klar warum man die Wüste auch die Wüste des Teufels nannte.

Er war am Rande der Erschöpfung - Wasser hatte er schon, wie es ihm vorkam, seit Tagen nicht mehr, sein Essensvorrat war auch aufgebraucht und die Hitze lähmte seine Glieder.

Der Abend brach schon herein und er war sicher, daß er die Nacht nicht überleben würde.

Da entdeckte er in einer Düne einen Felsen der von dem Wind freigelegt worden war.

Mit letzter Kraft taumelte er auf ihn zu und entdeckte eine enge Spalte in ihm.

Als er sich hinein zwängte erkannte er, daß er sich in einer großen Höhle befand.

Durch den engen Eingang sickerte das letzte verbliebene Tageslicht, so das er gerade noch einen feinen Nebel in Bodennähe erkennen konnte.

Er stutze - wie kam ein Nebel in eine Höhle in einer Wüste - war er und die Höhle eine Illusion, oder sollte es sich etwa um die ....

Total erschöpft brach er zusammen und seine Gedanken verschwammen.

Er lag ausgestreckt auf dem Höhlenboden fast ganz vom Nebel bedeckt.

****

60 Jahre später.

In einer gemütlich eingerichtete Hafenkneipe saß ein alter Mann vor einem Kamin in dem ein munteres Feuer brannte.

Er erzählte seiner Zuhörerschaft eine Geschichte, eine wahre Geschichte wie er betonte.

" Ich war im besten Alter so etwa Mitte 20, als ich in einem Wald auf Bra-Ö, der westlichsten Insel der Thun-Isles spazieren ging - einem Wald der als der Wald der Namenlosen bekannt ist.

Man sagt, in ihm würden seit Urzeiten immer mal wieder Leute ohne Gedächtnis auf gelesen, die niemand vorher je gesehen hätte.

Als ich nun in Gedanken versunken durch den Wald schlenderte und mich über diese Legende belustigte, hörte ich plötzlich ein entferntes Stöhnen.

Ich folgte ihm mit einem etwas seltsamen Gefühl im Magen und stieß auf einen jungen Mann in meinem Alter der sich gerade vom Waldboden erhob.

Er schaute sich verwirrt und unsicher um.

Als er mich erblickte zuckte er leicht zusammen.

Und ob ihr es mir glaubt oder nicht, er wußte weder wo er war noch wo er herkam oder wer er war.

Ich begleitete ihn ins Dorf, in dem er eine Zeit blieb bevor er aufbrach um sein Glück in der Ferne zu finden.

Ihr meint hier endet die Geschichte?

Weit gefehlt! I

hr kennt doch meinen guten Freund, den besten Goldschmied in der Stadt.

Ja, ja - der alte Tepesch genau der.

Ob ihr es mir glaubt oder nicht - als ich vor etwa 20 Jahren in diese Stadt kam, traf ich ihn wieder den jungen Mann von damals -

er war zu einem der angesehensten Bürger der Stadt geworden, hatte die bezaubernde Tochter des Bürgermeisters geheiratet mit der er bis heute glücklich zusammen lebt.

Und was vielleicht das seltsamste ist:

Er war noch nie bei einem Arzt. Ihr denkt das ist nur Zufall, warum mache ich so einen Wirbel darum?

Nun das kann ich Euch sagen - es liegt an der Legende über den Wald der Namenlosen:

In ihr heißt es nämlich das alle Leute die in ihm gefunden wurden, in der Ferne ihr Glück gemacht hätten, sie hätten es zu Reichtum, Ansehen, Gesundheit und Glück gebracht.

"

Und so war der alte Ulvang dafür verantwortlich, daß die Legende über den Wald der Namenlosen fast auf alle Inseln der Ebene Isbrytt'Arhe verbreitet wurde.

****

Niemals wurde er wiedergesehen.

Noch lange nach seinem Verschwinden rätselten die Menschen in der Umgebung was mit ihm passiert sei.

Sie erfuhren es nie und so wurde er zum Teil der Legende - der Legende der Höhle des Glücks.

Ende

C. by Daniel von Euw