Inselteufel an Bord
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Inselteufel an Bord

 (Die Fünfte Ebene: Die Ebene der Sechs Türme)

von Uwe Vitz


" Das waren noch Zeiten. "

Cornelius, ein Seemann der in einem Gefecht mit den Pylaristern ein Bein verloren hatte, verdrehte vor Sehnsucht die Augen.

" Wir befuhren die ganze Südsee.Die herrlichen Inseln dort- ihr könnt euch nicht vorstellen wie schön die Südsee ist! "

" Ach was. " brummte Bachos, der Wirt.

" Ich war schon als Urlauber auf der Bananeninsel im Süßen Meer, das reicht mir, da treiben sich wenigstens keine Seeräuber herum. "

" Na ja, die Seeräuber", sagte Cornelius. " ob es nun die Pylarister oder die Schwertländer sind, mit denen wird unsereins rasch fertig."

" Und dein Bein? "

Cornelius seufzte auf und nahm einen weiteren kräftigen Schluck aus dem Bierkrug

" Dafür habe ich sechs Pylarister erschlagen" ,behauptete er stolz.

" Ja, ja. " , stöhnte Bachos, der diese Geschichte schon unendlich oft gehört hatte.

" Aber es war ein Seegefecht, wie es auf dieser Ebene noch keines gegeben hat",meinte Cornelius verträumt.

" Unser Prinz wollte eine Inselprinzessin freien, wir fuhren mit fünf Schiffen aus Anataris zu jener Insel.Der König der Pylarister wollte ebenfalls dieses Mädchen für sich gewinnen, er näherte sich mit drei Schiffen. Aber die Inselprinzessin entschied sich für unseren Prinzen. Nun, dem Seeräuber passte das nicht, und er versuchte es mit Gewalt. "

" Und am Ende sanken alle fünf Schiffe, ihr seid nur mit Ruderbooten heimgekehrt,von den Pylaristern sank nicht ein einziges. " bemerkte der Wirt spöttisch.

Cornelius starrte ihn wütend an. " Sag ein Wort gegen die Flotte von Anataris, und ich brat dir einen mit meinem Krückstock über " knurrte er.

" Wir hatten eben Pech, unsere Schiffe wurden von den verflixten Hundsköpfen mit Brandpfeilen angegriffen, nachdem sie es nicht geschaffen hatten, sie zu entern. "

" Hm " erwiderte der Wirt, " und ich habe gehört, ihr hättet eure Schiffe selber in Brand gesteckt, um den Pylaristern im Rauch zu entkommen. "

" Alles nur Verleumdung. " behauptete Cornelius ärgerlich.

" Außerdem " triumphierte er " trotz allem haben wir gewonnen. Wir haben die Prinzessin mit nach Hause gebracht.Unser Prinz hat sie geheiratet."

" Na ja , nach allem was ich über sie gehört habe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob es nicht der größer Sieg gewesen wäre, sie dem Seeräuberkönig zu überlassen",

sagte Bachos.

Cornelius seufzte tief und schwer. .

" Ja, ja, das war ein unheilvolles Abenteuer mit den Pylaristern, fast so schlimm, wie die Sache mit dem Inselteufel. "

" Inselteufel? ",fragte Bachos

" Ja, mit dem hatten wir es auch einmal zu tun. "

" Die Geschichte hast du mir noch nie erzählt, im Gegensatz zu der mit den Pylaristern. Wieso eigentlich nicht?"

" Ach weißt du" , sagte Cornelius.

" So Wesen wie den Inselteufel erwähnt man besser gar nicht. Da passiert leicht ein Unheil."

" Hm, ist die Geschichte gut?"

" Ist dir eine gute Geschichte Freibier für einen alten Veteranen wert?"

" Einverstanden."

" Dann hör mal zu. Damals hatte die " Möwe " den Auftrag von den Bewohnern der Südseeinseln kostbare Gewürze zu kaufen.

Gleich bei der ersten Insel, nach nur einen halben Tag Seereise hatten wir unerwartetes Glück:

Der Häuptling dieser Insel wollte uns die gesuchten Gewürze schenken, wenn wir einen Gast von ihm, mit zurück nach Anataris nähmen.

Natürlich machten wir diesen Handel sofort!

Also brachten uns die Inselbewohner die Gewürze und den Gast.

Es war ein hagerer, dunkelhäutiger Mann, und in seinen Augen lag,wenn man ihn genau beobachtete, jenes Leuchten, welches den wahren Magier verrät.

Kapitän Arminus begrüßte ihn freundlich, doch er winkte nur ab.

Zu unserer Überraschung erklärte er, dass er nun unser aller Herr über Leben und Tod sei.

Wir sollten nicht zurück nach Anataris segeln, sonder ihn von einer Insel zur nächsten bringen, bis sein Hunger gesättigt sei.

Der Kapitän war noch ganz verdutzt und fragte ihn verwirrt, ob er etwa einen Sonnenstich habe,

da packte ihn der Fremde, öffnete den Mund und schwups hatte der Unhold unseren braven Kapitän schon mit Haut und Haaren verspeist. "

" Wie hast du doch eben gesagt, es wäre ein ganz normaler Mann gewesen? "

" Na ja, sein Mund wuchs dabei und wurde breiter und breiter, wie bei einer großen Schlange, die einen Ziegenbock herunter würgt - so ähnlich würgte die Kreatur unseren Kapitän hinunter,

du hättest mal seinen Bauch sehen sollen, als alles vorbei war.

Übrigens er rülpste ganz ordinär.Natürlich griff ein beherzter Junge nach dem Messer und stieß es dem Kapitänfresser direkt ins Herz.

Aber der Kerl lachte nur höhnisch.

Auch als man ihm den Bauch aufschlitzte kicherte er.

Die Wunden heilten so schnell, dass es direkt schwierig war, das Messer wieder heraus zu ziehen, während der Menschenfresser lachte,

als ob ihn die Klinge kitzeln würde.

Nachdem wir es aufgegeben hatten, ihn mit Dolchen, Messern, Speeren und Äxten zu bearbeiten,versuchten wir, ihn über Bord zu werfen,

doch es war als er an den Planken unseres Schiffes festgenagelt.

Jetzt grinste er bloß niederträchtig.

` Ihr könnt euch die Mühe sparen, mich kriegt keine Macht dieser Ebene mehr von eurem Schiff herunter.´

Erschöpft gaben wir auf. Nun erklärte er uns, dass er der berüchtigte Inselteufel sei, der stets, wenn er auf einer Südseeinsel gelandet sei,

sich solange von den unglücklichen Bewohnern ernährte, bis irgendein Schiff ihn freiwillig an Bord nähme.

Sei er erst einmal auf den Schiff, dürfe er mit der Besatzung verfahren, wie er wolle, bis diese ihn zu einer Insel mit einer zufrieden stellenden Besiedlung bringe,

wo er sich wieder solange aufhalten würde, bis ein anderes Schiff ihn wieder freiwillig an Bord nähme.

Bis wir diese Insel erreicht hätten, würde er sich natürlich von Besatzungsmitgliedern ernähren.

Da war guter Rat teuer, noch nie hatte einer von uns von dem Inselteufel gehört.

Zweifellos hatte dieses Wesen schon oft Schiffe benutzt, um von einer Insel zur nächsten zu gelangen, aber kein Seefahrer hatte an irgendeinen Hafen von ihm erzählt.

Dafür gab es nur eine Erklärung:

Wenn wir eine Insel fänden, die ihm gefiel, würde er sogleich die ganze Besatzung verschlingen, da er ja keine Zeugen schonen durfte,

die anderen Schiffen von ihm berichten könnten.

Während der Inselteufel seelenruhig in der Kapitänskajüte schlief, berieten wir, wie wir ihn wieder loswerden konnten.

Zum Glück hatte ich schon damals ein helles Köpfchen.

` Da hilft nichts Jungens, wir müssen unsere gute alte Möwe mit Sack und Pack versenken. ´

Gesagt, getan. Besser im Ruderboot heimkommen als von so einem Inselteufel gefressen zu werden.

Das Schiff schlugen wir leck, setzten uns in die Boote und ruderten davon.

Doch just da musste dieser Inselteufel aufwachen, offenbar hatte er unseren Kapitän flink verdaut und wollte nach der nächsten Mahlzeit schauen.

Als er sah, was gespielt wurde, war er natürlich nicht begeistert.

` Verräterpack, glaubt ihr mir so einfach zu entkommen? ´ brüllte er hasserfüllt.

` Ich werde euch zeigen, wer der Inselteufel ist! ´

Er sprang wie ein riesiger Frosch von dem Schiff und flog auf das letzte Boot zu, in dem ausgerechnet ich drin saß.

Ich packte ein Ruder, mit beiden Händen und drosch auf ihn ein, als er heran flog.

Er landete mit einem lauten Platsch im Wasser und versank blubbernd.

Und wir kamen wieder einmal in Ruderbooten heim..

Aber dafür hatten wir die Südsee von dem üblen Inselteufel befreit."

" Ist das wirklich wahr?"

" Freibier? "

ENDE